„Der Informationsbedarf zur richtigen Vorgehensweise bei der Gründung, Übernahme oder Erweiterung eines Unternehmens ist außerordentlich hoch.“ Dieses Resümee zieht Katja Rhotert nach vielen Gesprächen, die sie auf der diesjährigen Newcome, Süddeutschlands wichtigster Messe zu diesen Themen, geführt hat. Die Beraterin von Fath & Kollegen war am Stand der baden-württembergischen Handwerkskammer und auf dem Beratungsparcour tätig. Ebenso wie ihre Kollegen ist sie in der Gründungsberatung versiert und bei den entsprechenden Instituten gelistet, über die Fördermittel abgerufen werden können.
Gründung, Erweiterung, Übergabe
Was muss ich im Vorfeld alles beachten? Diese Frage brannte allen unter den Nägeln. Bei den Gründern ist das offensichtlich: Sie wagen den Sprung ins kalte Wasser. Aber auch gestandene Unternehmer, die eine Erweiterung Ihres Betriebes ins Auge fassen, hatten einen hohen Beratungsbedarf. In diesen Fällen geht es häufig darum, Unternehmen erfolgreich auf die Zukunft auszurichten. Das erfordert größere Investitionen, die mit entsprechenden Risiken verbunden sind. Das A und O, um sie zu minimieren: Rechtzeitig objektive Bewertungsgrundlagen erstellen, beispielsweise solide Finanzierungskonzepte, exakte Rentabilitätsberechnungen und best and worst case-Szenarien. Reges Interesse zeigten auch Unternehmer, die kurz vor dem Ruhestand stehen. Die Übergabe ihres Betriebes ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Altersversorgung.
Zwei Seiten einer Medaille
Häufig ist eine Firmenübergabe gleichzeitig der Start in die Selbstständigkeit und der Abschied vom Arbeitsleben mit der Hoffnung auf einen finanziell gut abgesicherten Ruhestand. Damit die Beteiligten bei dieser wichtigen Entscheidung keinen der relevanten Faktoren übersehen, sollten externe Berater mit fachspezifischer Ausbildung hinzugezogen werden. Auch in den folgenden Phasen einer Gründung, Erweiterung oder Übergabe helfen sie, den Überblick nicht zu verlieren. Erste Anregungen, um welche Aspekte es dabei geht, gab Katja Rhotert auf der Newcome einem Elektromechanikermeister. Nach 18 Jahren im Angestelltenverhältnis war er von seinem Chef gefragt worden, ob er den Betrieb in drei Jahren übernehmen möchte.
Pauschalaussagen konkretisieren
Es fängt schon mit der umgangssprachlichen Formulierung des Chefs an. Sie hat bei genauer Betrachtung mehrere Bedeutungen. „Den Betrieb übernehmen“ - damit könnte kaufen ebenso gemeint sein wie pachten. Der Handwerksbetrieb umfasst derzeit drei Sparten: Installation und Kundendienst in Neu- und Altbauten, Einsatz in anderen Unternehmen als Betriebselektriker und ein angegliedertes Ladengeschäft mit Haushalts- und Elektrogeräten. „Den Betrieb übernehmen“ könnte sich auf die einzelnen Bereiche beziehen oder auf alles zusammen.
Fundierte Zahlenbasis schaffen
Auch die Aussage des Chefs, dass der Betrieb schuldenfrei sei, hilft dem Elektromechanikermeister für seine eigene Planungsrechnung nicht weiter. Er benötigt aktuelle Zahlen, die dann genau analysiert werden müssen. Erst daraus kann er errechnen, wie viel an Pacht, Miete oder Kapitaldienst er nach der Übernahme schultern kann. Zu berücksichtigen sind eine Reihe von Faktoren:
- Kundenbeziehung: Gehen die Jahresverträge als Betriebselektriker auf ihn über?
- Neuinvestitionen: Erfordern Maschinen, Geräte oder Gebäude Reparaturen oder Neuanschaffungen?
- Verbindlichkeiten: Welche Haftung entsteht für betriebsbedingte Steuern und Gewährleistungsansprüche?
- Mitarbeiter: Akzeptieren ihn seine ehemaligen Kollegen als neuen Chef ?
Rational entscheiden
Die Situation belastet den Elektromechnikermeister auch emotional stark. 18 Jahre sind eine lange Betriebszugehörigkeit! Was passiert mit seinem Arbeitsplatz, wenn er nicht auf das Angebot eingeht? Trotzdem darf eine solch weitreichende Entscheidung nicht emotional getroffen werden - von beiden Seiten nicht. Auch dem bisherigen Eigentümer fällt es schwer, neutral und nicht gefühlsmäßig an die Sache heran zu gehen. Der Betrieb ist schließlich sein Lebenswerk und durch das gute Verhältnis zu seinem Mitarbeiter ist er sich sicher, dass dieser es in seinem Sinne weiterführen würde. Doch die Einnahme aus dem Verkauf bzw. der Verpachtung ist der größte Baustein seiner Altersversorgung. Würde sich der Mitarbeiter finanziell durch die Übernahme überfordern oder das Unternehmen doch nicht so solide dasteht, wie vermutet, könnte die Sache für beide Seiten als finanzielles Desaster enden.
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| Katja Rhotert Dipl.-Volkswirtin |
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